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Sehr viele Menschen erleben den Tod als griesgrämigen Alten, der Angst einjagen will. Auf etwas anderes versteht er sich auch nicht sehr gut. Wenn er nun auf einen Menschen trifft, der ihm freundlich entgegenlächelt, denn ist er entwaffnet und kann nur noch zurücklächeln. Ich erinnern noch sehr gut den Tag, an den ich als junger Vikar mit der Gemeineschwester zu einer Sterbenden kam. "Das einzige, was sie noch sagte, war: schön das ihr rechtzeitig da seid; jetzt kann ich in Ruhe sterben. Und sie starb mit einem geradezu fröhlichen Lächeln, weit über 90 an Herzversagen. Dass einer Altenpflegerin immer mehr das Lachen vergeht, liegt nicht nur an den Pflegebedürftigen, sondern immer mehr an den Verwaltungsvorschriften, dem damit verbunden Stress und der fehlenden Zeit für die anvertrauten Menschen. Dass manche Menschen sich mit"Klauen und Zähnen" an das bischen Leben klammern, das sie noch haben,ist auch nichtverwunderlich. Die einen erkennen, dass sie ihr Leben lang zu den Verlierern gehörten und in Wirklichkeit nichts vom Leben hatten, außer einen täglichen Kapf ums überleben - nicht immer so dramatisch und wortwörtlich. Andere haben in ihrem Dasein Ehren und Reichtümer gesammelt wie andere Bierdeckel oder Briefmarken, haben dabei aber vergessen zu leben und erkennen jetzt, dass es zu spät ist, irgendetwas nachzuholen. Das ist es, was mir heute abend dazu einfällt.
Herzliche Grüße
Michael
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