Lieber Reiner,
das ist doch keine Alterserscheinung, das ist der Glanz des
Meisterlichen, getragen von Ruhm und Erfolg, der dich
dich selbst zitieren lässt!

Dies wird noch umso mehr durch die Tatsache untermauert,
dass es schon Nachahmungstäter gibt, die sich in deinem Schein
sonnen wollen. Konkret meine ich damit mich.
Mehr aus Neugierde als aus ernsthaftem Hoffnungsschöpfen
habe ich mir nämlich erlaubt, auch einen Beitrag einzusenden.
Mal sehen, ob (und) was dabei herauskommt..
Hartnäckigkeit kann sich manchmal auszahlen, vor allem bei der
Unkrautbekämpfung. An mir hat sich zwar schon so manch
einer die Zähne ausgebissen (Selbstversuche bestätigen die mir
eigen zu sein scheinende Zähheit), aber natürlich bin auch ich
kernweich zu kochen, so man das richtige Rezept kennt und
mit genügend Geduld abschmeckt.
Will heißen: leicht zu motivieren bin ich scheues Rehlein zwar nicht
für solche Übereinkünfte, erlegt man mich allerdings mit einem
sauberen Buchenblattschuss, bin ich für fast alle Untaten zu haben.

Ja, das Rollo war kein leichter Gegner, in der Tat. Als stinkend faul
hat es sich auch noch heraus gestellt, rollt es sich doch nur unter
größter Kraftanstrengung unsererseits aus seiner oder in seine
Stangenecke zurück, und das auch noch unter heftigstem Protest,
welcher sich in einem ohrenbetäubenden Quietschen äußert.
Eine Liebesheirat wird das zwischen uns wohl nicht mehr werden,
das Bleiberecht hat es allerdings trotzdem zugesprochen
bekommen - natürlich weniger aus humanitären Gründen, sondern
eher aus Gründen der Faulheit und des Unwillens, das Teil wieder
mühsam ab- und ein anderes (vermutlich nicht weniger renitentes)
anzumontieren.
Der Kühlschrank als Straflager für widerspenstige Einrichtungsgegenstände
hat sich, nicht nur aus Gründen des unzureichenden Fassungsvermögens,
als weniger geeignet herausgestellt, reagieren doch schließlich die wenigsten,
scheinbar leblosen, Gegenstände so sensibel auf kühlere Temperaturen, wie
Zimmerpflanzen. Der bestrafende Effekt wäre somit gegen den Gefrierpunkt
tendierend und, ob mangelnder Diskussionsfähigkeit und der damit fehlenden
Möglichkeit zur Rechtfertigung bei Ungehorsam, seitens des Wohnungsinterieurs,
würde das Gefängnis schnell aus allen Nähten platzen.
Nebenbei hat auch unser Kühlschrank, dank einiger Ausfälle und allgemeiner
Unzuverlässigkeit schon mehr als genug auf dem Kerbholz, man müsste also
zuerst einen zweiten Kühlschrank anschaffen, um ersteren, im Sinne der
Gleichbehandlung, ebenso seiner gerechten Strafe zuführen zu können,
was allerdings unseren knapp bemessenen Budgetrahmen sprengen würde.
Da ist es weit wirtschaftlicher, und vermutlich auch zielführender, statt dessen
das eigene Haupt ab und zu in selbigen Schrank zu verfrachten, um jenes
strapazierte Körperteil wieder auf Betriebstemperatur abzukühlen (und nebenbei
mit den dort beheimateten Pflanzen ein wenig Konversation zu betreiben).
Deine Hilfestellung weiß ich allerdings zu schätzen, und solltest
du zufällig wieder einmal einen Kühlschrank nach Wien zu
verschicken haben, würde ich es auch durchaus auf einen
Versuch ankommen lassen mit deiner Methode.
Dann werde ich mich mal wieder rollen (das Wortspiel war jetzt
fast unbeabsichtigt - zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich
es selbst entdeckte) und zur Feier des Abends ein paar Muffins
backen.
Mit Kuchenduft in deine Richtung wedelnden Grüßen,
Karin